SETUp – Systemische und nachhaltige Energietransformation
Unternehmen müssen heute weitreichende Investitionsentscheidungen für Produktionsanlagen treffen, obwohl zentrale Energieinfrastrukturen – etwa für Wasserstoff oder CO₂ – vielerorts noch im Aufbau sind. Mit der Initiative SETUp – Systemische und nachhaltige Energietransformation für energieintensive Unternehmen in Sachsen-Anhalt unterstützt das Fraunhofer IFF Unternehmen dabei, ihre Produktionsprozesse langfristig klimaneutral, resilient und wirtschaftlich tragfähig auszurichten. Ziel ist es, gemeinsam mit Industrie, Politik und weiteren Partnern konkrete Transformationspfade zu entwickeln und damit die Zukunftsfähigkeit zentraler industrieller Wertschöpfungsketten in Mitteldeutschland zu sichern und Unternehmen eine belastbare Entscheidungsgrundlage für langfristige Investitionen bereitzustellen.
Energieintensive Branchen stehen derzeit vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits müssen sie ihre CO₂-Emissionen deutlich reduzieren, andererseits bleiben stabile Energieversorgung und wettbewerbsfähige Kosten entscheidend für ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die vom Fraunhofer IFF durchgeführte SETUp-Studie zeigt, dass es keine einheitliche Lösung für diese Transformation gibt. Stattdessen sind flexible Strategien erforderlich, etwa der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung industrieller Prozesse, der Aufbau von Wasserstoffinfrastrukturen sowie neue Ansätze der Kreislaufwirtschaft und Abwärmenutzung. Entscheidend ist dabei die Betrachtung des Gesamtsystems: Produktionsprozesse, Energieversorgung, Infrastruktur und regionale Wertschöpfung müssen gemeinsam gedacht werden.
Die industrielle Transformation entscheidet sich nicht allein im Werk, sondern im Zusammenspiel von Unternehmen, Energieversorgung, Infrastruktur und Politik. Genau diese systemische Perspektive bildet den Kern der SETUp-Initiative.
Entwicklung wirtschaftlicher Transformationspfade für energieintensive Produktionsprozesse
Zusammenarbeit im SETUp-Verbund
Die Initiative bringt Unternehmen, Forschungseinrichtungen und energiepolitische Akteure zusammen, um diese Herausforderungen gemeinsam zu adressieren. Das Fraunhofer IFF übernimmt dabei die Rolle des wissenschaftlichen Koordinators und verbindet Industrie, Infrastrukturbetreiber, Politik und Forschung zu einem gemeinsamen Transformationsprozess. In Arbeitsgruppen, Konsortialtreffen und thematischen Workshops werden Erfahrungen ausgetauscht, Best-Practice-Beispiele diskutiert und konkrete Projekte entwickelt. Eine wichtige Rolle spielen dabei systemische Analysen von Energie- und Stoffströmen sowie Potenzialbewertungen für alternative Technologien und Versorgungsstrukturen. Auf dieser Grundlage entstehen Konzepte für regionale Energieverbünde, die sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen langfristig stärken sollen.

Wirkung des Verbunds
Bereits heute arbeiten sieben Unternehmen im SETUp-Verbund zusammen und sichern damit rund 2.700 direkte Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt. Ihr Energiebedarf verdeutlicht zugleich das enorme Transformationspotenzial: Im Jahr 2024 verbrauchten die beteiligten Unternehmen gemeinsam rund 1.600 Gigawattstunden Erdgas und etwa 300 Gigawattstunden Strom und verursachten rund 700.000 Tonnen CO₂-Emissionen. Die daraus resultierende Hebelwirkung für Energieeffizienz, Klimaschutz und regionale Wirtschaftskraft ist entsprechend groß. Die Unternehmen repräsentieren damit einen bedeutenden Teil der energieintensiven Industrie Sachsen-Anhalts und zeigen exemplarisch, welche Herausforderungen viele weitere Standorte derzeit beschäftigen.
Politische Handlungsempfehlungen
Im Berichtsjahr erreichte die Initiative einen wichtigen Meilenstein: Vertreter der beteiligten Unternehmen und des Fraunhofer IFF übergaben ein gemeinsames Positionspapier zur industriellen Transformation an die Landesregierung Sachsen-Anhalts. Darin formuliert der Verbund zentrale Handlungsempfehlungen, unter anderem für wettbewerbsfähige Energiepreise, den Zugang zu grünem Wasserstoff, leistungsfähige Energieinfrastrukturen und beschleunigte Genehmigungsverfahren, sowie verlässliche Rahmenbedingungen für langfristige Investitionsentscheidungen.
In den kommenden Jahren soll SETUp weiter ausgebaut werden und sich zu einem landesweiten Transformationsmotor entwickeln. Geplant sind unter anderem standardisierte Energie- und Emissionskennzahlen, Qualifizierungsangebote für Unternehmen sowie Innovationsräume, in denen Industrie, Technologieanbieter und Forschung gemeinsam an neuen Lösungen arbeiten. Damit schafft SETUp eine Plattform, auf der wissenschaftliche Erkenntnisse, industrielle Praxis und politische Rahmenbedingungen zusammengeführt werden, um die Transformation energieintensiver Industrien aktiv zu gestalten, mit dem Ziel, Klimaschutz, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung gleichermaßen zu sichern.














