{"id":1970,"date":"2022-08-03T07:04:25","date_gmt":"2022-08-03T07:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/websites.fraunhofer.de\/iwes-blog\/?p=1970"},"modified":"2022-12-09T10:23:17","modified_gmt":"2022-12-09T10:23:17","slug":"windenergie-die-naechste-generation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/websites.fraunhofer.de\/iwes-blog\/windenergie-die-naechste-generation\/prof-andreas-reuter","title":{"rendered":"Windenergie: Die n\u00e4chste Generation"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Energie ist f\u00fcr mich ein wesentlicher Schl\u00fcssel f\u00fcr eine nachhaltige Welt.<\/p><cite>Prof. Andreas Reuter, Institutsleiter Fraunhofer-Institut f\u00fcr Windenergiesysteme IWES<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEnergie ist f\u00fcr mich ein wesentlicher Schl\u00fcssel f\u00fcr eine nachhaltige Welt\u201c &#8211; im Gespr\u00e4ch mit Andreas Reuter reden wir \u00fcber die Bedeutung von Windenergieforschung, die Rolle der Windenergie als eine der wichtigsten Energieressourcen und die rasanten technologischen Entwicklungen in dieser Branche. Andreas erkl\u00e4rt, warum f\u00fcr ihn die Kombination aus bestehendem Wissen und neuen Ans\u00e4tzen in der Forschung wichtig ist, was es f\u00fcr junge Wissenschaftler*innen braucht, die vielf\u00e4ltigen Disziplinen der Windenergieforschung zu durchdringen und wie sich das IWES hinsichtlich neuer Forschungsschwerpunkte st\u00e4ndig weiterentwickelt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Energiepolitik<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Bist du mit den aktuellen politischen Rahmenbedingungen f\u00fcr die Windenergieforschung zufrieden? Was muss passieren?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eDie finanziellen Mittel f\u00fcr Projekte in der Windenergieforschung, die \u00fcber das <a href=\"https:\/\/www.bmwk.de\/Navigation\/DE\/Home\/home.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">BMWK<\/a> gef\u00f6rdert werden, haben sich in den letzten f\u00fcnf Jahren halbiert. Ein klarer Fahrplan, wie die Bundesregierung die Ausbauziele erreichen m\u00f6chte, ist nicht erkennbar. F\u00fcr mich ist dies ein Widerspruch, der meines Erachtens in Berlin nicht richtig gesehen wird, da f\u00fcr viele neue Akteur*innen im Ministerium das Thema Windenergie haupts\u00e4chlich ein Umsetzungsproblem und nicht so sehr ein Technologie- und Innovationsthema ist. Zudem ist das Geld knapp und mit Blick auf das aktuelle Weltgeschehen, wie auf den Krieg in der Ukraine oder die Coronapandemie, soll tendenziell \u00fcberall gespart werden. Wir bef\u00fcrchten, dass die Windenergieforschung auch weiterhin davon betroffen sein wird. Gemeinsam mit der Industrie &nbsp;erkl\u00e4ren wir immer wieder, warum Energieforschung und auch Windenergieforschung in diesem wichtigen industriellen Umfeld notwendig ist. Hier bleiben wir dran und leisten auch weiterhin Aufkl\u00e4rungs- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit &#8211; gemeinsam mit Akteur*innen aus der Photovoltaik-Branche, denn hier sieht die Lage \u00e4hnlich aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Was ist dein Ansatz f\u00fcr eine nachhaltige Welt f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eEnergie ist f\u00fcr mich ein wesentlicher Schl\u00fcssel f\u00fcr eine nachhaltige Welt. Nat\u00fcrlich sind auch Ressourcenknappheit und Recycling gro\u00dfe Themen. Das IWES ist im Energiebereich aktiv und wir sind der Meinung, dass Energie der Schl\u00fcssel ist. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass Windenergie an ganz vielen Standorten, auch bei allen positiven Entwicklungen in der PV-Branche, immer noch mindestens eine gleich gute, wenn nicht sogar bessere Variante zur Energieerzeugung, ist. Auch der Ressourcenverbrauch bei Wind ist geringer, d.h. Windenergie ist nicht nur nachhaltiger, sondern an vielen Standorten f\u00fcr das Energiesystem die bessere Wahl bei gleichzeitig geringeren Kosten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Was waren besondere Herausforderungen in der Windenergie?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eDer \u00dcbergang zu einem wirtschaftlichen Betrieb von Windenergie: Zu Beginn war Strom aus Windenergieanlagen noch teuer und wurde damals aus reinem Idealismus vorangetrieben. Die erste Windenergieanlage, an der ich beteiligt war, wurde an Janosch in die Toskana verkauft. Er hat sich das als Hobby geleistet. Dass sich Windenergie wirtschaftlich rechnet, das hat in den 90er Jahren rund zehn Jahre gebraucht. Zuerst an den windigen Standorten in den USA, dann wurde die Technologie immer weiter ausgearbeitet und verbessert, die Kosten kontinuierlich gesenkt, so dass Windenergie heute selbst an Binnenlandstandorten in Deutschland als billigste Form der Stromproduktion gilt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Windenergieindustrie<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Was ist das interessante am Zusammenspiel von Industrie und unserer Forschung?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eIch finde unsere Forschung spannend, weil sie oft ein Teil von Entwicklungsprojekten ist: Zum einen, wenn es um gro\u00dfe <a href=\"https:\/\/www.iwes.fraunhofer.de\/de\/testzentren-und-messungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Komponententest<\/a> geht, z. B. bei der Anlagenentwicklung. Zum anderen aber auch bei anderen Aspekten, wie bspw. im <a href=\"https:\/\/www.iwes.fraunhofer.de\/de\/testzentren-und-messungen\/messung-von-umweltbedingungen.html#1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Seismik-Forschungsbereich<\/a>, der direkt und kurzfristig in Projekten angewendet werden kann. Unsere Aktivit\u00e4ten sind wichtig und auch kurzfristig nutzbar und weniger im Bereich der Grundlagenforschung verankert, die eher einen l\u00e4ngerfristigen Ansatz verfolgt und damit nicht unmittelbar in Produkte umgesetzt werden kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Ein Blick auf die Weltb\u00fchne: Wo stehen wir im Vergleich zum internationalen Wettbewerb?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eWir als Forschungsinstitut sind Teil der westlichen Windenergieindustrie, auch wenn wir mit der chinesischen Windindustrie zusammen arbeiten. Das ist schon ein ziemliches Kopf-an-Kopf-Rennen: China hat viel investiert, das Herangehen ist sportlich, das hei\u00dft es werden Projekte \u201eeinfach mal gemacht\u201c, auch wenn nicht alles gleich funktioniert oder Probleme auftreten. Es besteht ein rasantes Tempo und Optimierungen werden schneller umgesetzt. Die chinesische Windenergieindustrie hat zudem spezifische Herausforderungen, denn der lokale Windmarkt funktioniert anders als bei uns in Deutschland: Moderate Wassertiefen, weniger Wind. Die Ergebnisse unterscheiden sich ein wenig. Die M\u00e4rkte funktionieren unterschiedlich und damit kommen die Akteur*innen sich nicht wirklich direkt in die Quere. Klar, westliche Firmen haben Marktanteile in China verloren, aber chinesische Firmen haben bisher nicht substanziell im westlichen Markt Fu\u00df gefasst. \u00dcber die Zuliefererindustrie gibt es allerdings viele Querverbindungen, weil chinesische Hersteller bei westlichen Firmen qualitativ hochwertige Komponenten kaufen, wie z. B. Lager oder Regelungssysteme. Andererseits werden viele Rotorbl\u00e4tter f\u00fcr den westlichen Markt in China gefertigt, da es g\u00fcnstiger ist. Die sehr arbeitsintensive Fertigung der Bl\u00e4tter lohnt sich dort, trotz des Transportaufwandes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Sind wir in Deutschland noch Vorreiter f\u00fcr neue und nachhaltige Energietechnologien?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eDas ist eine spannende Frage, denn laut den D\u00e4nen war Deutschland nie Vorreiter, sondern immer nur \u201efast-follower\u201c, da die Windenergie schlie\u00dflich in D\u00e4nemark erfunden wurde. Das stimmt nicht so ganz denke ich: Es gab d\u00e4nische und deutsche Pioniere und es gab schon immer einen kontinuierlichen Wettbewerb zwischen beiden L\u00e4ndern. Wir als IWES haben stark dazu beigetragen, dass dieses Kopf-an-Kopf-Rennen bestehen blieb und jetzt auch mit weiteren Akteur*innen besteht, doch wir m\u00fcssen am Ball bleiben. Ich sehe sehr dynamische Entwicklungen, bspw. an der <a href=\"https:\/\/www.dtu.dk\/english\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Technical University of Denmark (DTU)<\/a>, die auch stark in den Bereich Wasserstoff investiert und ihre Aktivit\u00e4ten im Bereich Elektrotechnik massiv ausgebaut hat. Wir m\u00fcssen dem Fortschritt folgen, da das auch weitere Auswirkungen f\u00fcr die wirtschaftliche Bedeutung vor Ort hat. In D\u00e4nemark ist Wissenschaft eng und erfolgreich mit den wirtschaftlichen Entwicklungen und Anwendungen in der Windenergie verzahnt. Das kann f\u00fcr uns eine starke Blaupause sein, f\u00fcr unsere Planungen am Institut und insgesamt f\u00fcr den Ausbau der erneuerbaren Energien.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Forschungsthemen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Das neue Forschungsfeld Wasserstoff etabliert sich zunehmend am Institut. Wie k\u00f6nnen wir konkret in diesem Bereich die Sektorkopplung  voranbringen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eIm Augenblick gibt es noch keine industriellen Anwendungen f\u00fcr die gr\u00fcne Wasserstoffproduktion, da ist noch sehr viel Wunschdenken dabei. Vieles rund um die Elektrolyseure oder auch der ganzen Infrastruktur ist noch in der Planungsphase, sei es bei der Meerwasserentsalzung, wenn es um das Thema Offshore geht, oder der Anbindung an Netze direkt an den Windenergieanlagen. Das ist alles noch nicht fertig und auch nicht einfach mittels \u201eplug-and-play\u201c umzusetzen. Es wird noch viele Herausforderungen, Schnittstellen- und Zuverl\u00e4ssigkeitsprobleme bei den Systemen geben. Das haben wir schon in anderen Bereichen beobachtet, z. B. bei W\u00e4rmepumpen, die ein paar Jahre Vorlauf haben im Vergleich zu Wasserstoffanwendungen. W\u00e4rmepumpen werden mittlerweile zwar breit eingesetzt, dennoch sind verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele Nachbesserungen an den Systemen notwendig, und das ist aufw\u00e4ndig. Das bef\u00fcrchte ich auch im Wasserstoffbereich. Aber genau hier setzen wir an, denn mit unserer <a href=\"https:\/\/www.iwes.fraunhofer.de\/de\/testzentren-und-messungen\/elektrolyseur-testfeld.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Erfahrung aus der Windenergie<\/a>, insbesondere der Offshore-Windenergie, k\u00f6nnen wir versuchen Fehler zu vermeiden und damit Kosten sparen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Ein strategischer Schwerpunkt des IWES ist auch die Digitalisierung. Was bedeutet das f\u00fcr ein Forschungsinstitut im Wind- und Wasserstoffbereich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eDigitalisierung ist kein einfacher Begriff, denn im Windenergiebereich haben wir schon immer digitale L\u00f6sungen genutzt. Wenn ich z. B. an die zahlreichen Simulationsprogramme denke, die seit \u00fcber 20 Jahren im Einsatz sind \u2013 das sind letztendlich auch digitale L\u00f6sungen. Damit werden z. B. Lasten an Windenergieanlagen komplex berechnet. Hinzu kommen heute Ideen und L\u00f6sungen, die durch mehr Rechenpower, Speicher- oder Cloudl\u00f6sungen m\u00f6glich sind. Auch neuronale Netze sind kein neues Ph\u00e4nomen, werden aber jetzt in neuen Kontexten eingesetzt. F\u00fcr mich ist das eine versch\u00e4rfte und sehr lohnenswerte Anwendung von numerischen Methoden bei der Computerinfrastruktur. Seit den 90er Jahren gibt es Wellenbewegungen in der Windindustrie: Zun\u00e4chst wurde versucht, alles am Computer zu simulieren, weil die Messungen im Feld aufw\u00e4ndig, teuer und ungenau waren. Dann hat man festgestellt, dass die Simulationsprogramme auch nicht ausreichend waren, um bestimmte Ph\u00e4nomene genau abzubilden &#8211; folglich wurde wieder mehr in Hardware und Infrastrukturtests im Feld investiert. Damit hat das Fraunhofer IWES auch begonnen. Jetzt geht es aber in die n\u00e4chste Runde, in der Numeriker*innen bessere Modelle und Ans\u00e4tze vorstellen, bspw. <a href=\"https:\/\/www.iwes.fraunhofer.de\/de\/presse\/archiv-2020\/big-data-in-der-windenergie---wie-digitalisierung-windstrom-guen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Big Data<\/a>. Hier wird im Zweifelsfall auch mit Mustererkennung gearbeitet, wenn entsprechend gute Modelle zu Grunde liegen. Auch bei neuen Ans\u00e4tzen bleibt es ein ewiges Kopf-an-Kopf-Rennen um gute Ergebnisse &#8211; und gute Ergebnisse sind wichtig. Aber letztendlich ist es ein Zusammenspiel der Methoden. Hier sehe ich auch unsere Position und Aufgabe: Ergebnisse \u201ezum Anfassen\u201c entwickeln, damit dann Daten produzieren und digitale L\u00f6sungen anbieten, um mit den Daten weiter arbeiten zu k\u00f6nnen. Ein Balanceakt, f\u00fcr den wir alle unsere interdisziplin\u00e4ren Kompetenzen brauchen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Wissenschaftliche Exzellenz ist wichtig, der Wettbewerb um die \u201eBesten K\u00f6pfe\u201c nach wie vor Realit\u00e4t. Vor welchen Herausforderungen stehen junge Wissenschaftler*innen heute?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eEine gro\u00dfe Herausforderung ist: M\u00f6glichst vielf\u00e4ltiges Wissen, in m\u00f6glichst kurzer Zeit in die K\u00f6pfe junger Wissenschaftler*innen zu bekommen. Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass sie relativ schnell lernen, was schon gemacht wurde, um nicht bei null anfangen zu m\u00fcssen? Ich finde, Ingenieurswissenschaften basieren stark auf Erfahrungen. Nur drei mathematische Methoden aus der Uni anzuwenden reicht nicht aus, um Erfahrungen aus 30, 40 Jahren Windenergieindustrie abzubilden. Wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass auf dieser breiten Basis weitergearbeitet wird und so vermieden werden kann, dass immer wieder die gleichen Fehler gemacht werden oder Fortschritte einfach zu lange dauern? Zudem ist die Windenergie ein komplexes Feld und nicht stark formalisiert, das wird oft untersch\u00e4tzt. Eine Windenergieanlage aus ingenieurswissenschaftlicher Sicht ist eine komplexe Angelegenheit, bei der verschiedene Disziplinen zusammenspielen: Windphysik, Leichtbau, Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen. Das passt nicht in klassische Kategorien und muss dennoch von den Wissenschaftler*innen erlernt werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Institut Fraunhofer IWES<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Aus der Industrie in die Forschung und Lehre. Was macht Fraunhofer f\u00fcr dich spannend?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eDie Kombination von neuen Forschungsans\u00e4tzen, die nicht nur theoretisch sind, sondern die es ganz praktisch in die Anwendung schaffen, finde ich besonders spannend. Es sind nicht nur Computerprogramme, sondern auch physische Pr\u00fcfst\u00e4nde: Das Rotorblatt wird getestet, seismische Messger\u00e4te durch die Nordsee gezogen, das hat unmittelbare Effekte in einem durchaus nachhaltigen Umfeld. Wir funktionieren im Vergleich zu anderen Forschungseinrichtungen nicht nur projektbasiert und haben keinen befristeten Rahmen, in dem wir arbeiten m\u00fcssen. <a href=\"https:\/\/www.fraunhofer.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fraunhofer<\/a> ist f\u00fcr langfristige Ziele und positive Ver\u00e4nderungen angetreten, denn die Forschungsbereiche sind wichtig und werden gebraucht. Wir m\u00f6chten nachhaltig arbeiten und sinnvolle Windenergieprojekte soll es auch noch in den n\u00e4chsten 20 Jahren geben. Das ist anders als im industriellen Umfeld, denn dort geht es haupts\u00e4chlich um gute Quartalsergebnisse und wie die Zukunft in zehn Jahren aussieht, ist dann zun\u00e4chst zweitrangig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Das IWES hat sich Anfang 2022 um zwei Standorte erweitert. Was ist die Herausforderung dieser dezentralen Struktur? Stichwort: New Work<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eWir waren schon vorher dezentral aufgestellt, aber eine besondere Herausforderung ist, dass Anfang des Jahres auch ein neues Forschungsthema ans Institut gekommen ist: Wasserstoff. Damit auch eine eigene Institutskultur, ein eigenes Umfeld. Der <a href=\"https:\/\/www.hydrogen-labs.fraunhofer.de\/de\/hydrogen-lab-leuna.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Standort Leuna<\/a> fokussiert sich auf die chemische Industrie, das ist anders als am Standort Bremerhaven, der sich im Fischereihafen befindet und sich auf das Offshore-Umfeld konzentriert. Unsere Aufgabe ist es, nun beide Standorte sinnvoll zusammen zu bringen und gegenseitig zu verstehen, denn es gibt schlie\u00dflich unterschiedliche Erwartungen und Gewohnheiten. Was und wie k\u00f6nnen wir voneinander lernen? Ich finde die Institutszusammenf\u00fchrung, quasi IWES 2.0., ist eine Chance, auch auf Leitungsebene, das Ph\u00e4nomen \u201edas haben wir schon immer so gemacht\u201c kritisch zu hinterfragen und aus der eigenen Komfortzone heraus zu treten.\u201c<br><br>Redaktion: Was hat sich ge\u00e4ndert im Vergleich zu den ersten Jahren des Instituts?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eDie Gr\u00f6\u00dfe des Instituts. In den ersten Jahren gab es nur das <a href=\"https:\/\/www.iwes.fraunhofer.de\/de\/kontakt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Windhaus<\/a> in Bremerhaven, gegen\u00fcber noch das Engineering-Geb\u00e4ude und ein paar Mitarbeitende remote in Oldenburg. Alle kannten alle und wussten ziemlich genau, was jede und jeder macht, es war ein enges Miteinander. Allerdings stand auch das Gr\u00fcndungsteam damals vor vielen Herausforderungen, die sicherlich nicht immer einfach waren. Heute leben wir am IWES eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, auch wenn wir zu unterschiedlichen Abteilungen geh\u00f6ren. Die Art und Weise der Arbeit und auch die Anspr\u00fcche an Arbeit, haben sich ge\u00e4ndert. New Work ist in aller Munde und auch hier hat die Digitalisierung massiv Spuren hinterlassen. Zu Beginn der Coronapandemie hat uns das digitale Arbeiten sehr geholfen, letztendlich ist es aber eine Herausforderung und geht mit vielen Fragen einher: Wie gestalten wir digitale Meetings sinnvoll? Wie tauschen wir uns aus? Hier mussten wir eine Balance finden. Das war fr\u00fcher nicht der Fall, da haben wir uns einfach zusammen ins B\u00fcro gesetzt. F\u00fcr die heutigen vielf\u00e4ltigen Optionen m\u00fcssen wir f\u00fcr jeden Zweck die richtige Herangehensweise finden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Universit\u00e4t<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Du bist seit 2010 <a href=\"https:\/\/www.iwes.uni-hannover.de\/de\/andreasreuter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Professor f\u00fcr Windenergie-Ingenieurwesen<\/a>. Einer deiner Schwerpunkte sind auch neuartige Anlagenkonzepte. Was sollte jede\/r deiner Absolvent*innen aus deinen Vorlesungen mitnehmen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eDie Grundlagen zuerst: Warum dreht sich eine Windenergieanlage? Das ist tats\u00e4chlich f\u00fcr Studierende eine Herausforderung. Oft sind diese Bauingenieur*innen und nicht vertraut mit Aerodynamik, also mit dem was sich bewegt. Hier braucht es ein paar Basics, die erkl\u00e4ren, wie die Physik der Windenergieanlagen mit allen Konsequenzen, die dahinter stecken funktioniert, z. B. was die Abh\u00e4ngigkeit der Energieerzeugung von der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit bedeutet: Wenig Wind, ganz wenig Energie, viel Wind, ganz viel Energie. Wenn dann noch die Komplexit\u00e4t der Maschine verinnerlicht und verstanden wird, habe ich als Professor das Hauptziel erreicht. Bei einer Windenergieanlage wirken und interagieren Windphysik, Aerodynamik, Maschinenbau und Elektrotechnik zusammen. Das ist zugleich auch das Reizvolle und das sehen wir Dozierenden an den Vorlesungen, die mit 50 bis 100 Studierenden gut besucht und beliebt sind. F\u00fcr unsere Fakult\u00e4t im Masterstudiengang ist das durchaus eine gro\u00dfe Vorlesung, das Interesse ist also gro\u00df.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pers\u00f6nliches<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Was hat dich besonders gepr\u00e4gt in deiner beruflichen Laufbahn?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eDie rasanten Ver\u00e4nderungen von einer Pionierindustrie, als Zulieferer f\u00fcr d\u00e4nische Bauernh\u00f6fe, hin zu internationalen Gro\u00dfkonzernen. Ich war hierbei in diversen Funktionen und Verantwortungen t\u00e4tig: vom Entwicklungsingenieur bis zum Konstruktionsleiter, \u00fcber Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Firmeninhaber. Alles hat besondere Herausforderungen mit sich gebracht und bei allem habe ich enorm viel gelernt. F\u00fcr ein Bauteil verantwortlich zu sein und zu sehen, wie meine Planung tats\u00e4chlich gebaut wird und das nicht nur einmal, sondern tausendmal und sicher zu sein, dass das funktioniert, war eine meiner wertvollsten Lernerfahrungen. F\u00fcr eine Firma verantwortlich zu sein, also f\u00fcr die Gesch\u00e4ftszahlen, Abschl\u00fcsse und Ideen von Eigent\u00fcmern, das war f\u00fcr mich auch interessant. Mit einem eigenen Ingenieurb\u00fcro kam dann noch die alleinige Verantwortung f\u00fcr den Cashflow und Gehaltszahlungen hinzu. Aber immer habe ich irgendetwas mit Windenergie gemacht, es gab immer viel zu tun und viel zu lernen, das fand ich besonders faszinierend. Oft war es aufregend. \u00dcbriggeblieben ist, dass ich mich nicht mehr so aufrege, irgendwie habe ich alles schon gesehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Entscheidungen &#8211; aus dem Bauch heraus oder mit dem Kopf?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas: \u201eDer Kopf redet immer mit, aber ob rechts oder links, das frage ich dann meinen Bauch und das passt schon.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Redaktion: Danke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch Andreas.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mehr Informationen hier:<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/websites.fraunhofer.de\/iwes-blog\/technologietrends-in-der-windenergie-groessenwachstum-der-wea\/prof-andreas-reuter\">Technologietrends in der Windenergie \u2013 Gr\u00f6\u00dfenwachstum der Windenergieanlagen &#8211; Blog | Fraunhofer-Institut f\u00fcr Windenergie<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.fachagentur-windenergie.de\/aktuelles\/detail\/zweite-podcast-folge-zur-windenergie-online\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Podcast, Fachagentur Windenergie an Land, &#8222;Wie funktioniert ein Windrad, Andreas Reuter?<\/a>&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.iwes.fraunhofer.de\/de\/ueber_uns\/Institutsleitung.html\">Institutsleitung (fraunhofer.de)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Energie ist f\u00fcr mich ein wesentlicher Schl\u00fcssel f\u00fcr eine nachhaltige Welt. Prof. Andreas Reuter, Institutsleiter Fraunhofer-Institut f\u00fcr Windenergiesysteme IWES \u201eEnergie ist f\u00fcr mich ein wesentlicher Schl\u00fcssel f\u00fcr eine nachhaltige Welt\u201c &#8211; im Gespr\u00e4ch mit Andreas Reuter reden wir \u00fcber die&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":1967,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[510,506,520,390,14,514,501,140],"coauthors":[349],"class_list":["post-1970","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-windforschung","tag-energiepolitik","tag-erneuerbare-energien","tag-forschung","tag-lehre","tag-teamwork","tag-universitaet","tag-windenergie","tag-wissenschaft"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v27.6 (Yoast SEO v27.6) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ 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