Wasserstoffwertschöpfung braucht Menschen mit Know-how: Wie die Lernallianz »H2HUB in Sachsen-Anhalt« den Wasserstoffhochlauf unterstützt

Ein erfolgreicher Wasserstoffhochlauf braucht Infrastruktur – aber auch Menschen, die sie planen, betreiben und weiterentwickeln. Genau hier entsteht eine zentrale Herausforderung: Der Bedarf an Kompetenzen wächst schneller, als klassische Ausbildungs- und Weiterbildungsstrukturen ihn bislang flächendeckend und zielgruppengerecht abdecken können. Gefragt sind neue Tätigkeitsprofile, Qualifikationsanforderungen und Formen des Wissenstransfers – von der Erzeugung über Transport und Speicherung bis hin zu industrieller Anwendung, Genehmigungspraxis, Sicherheit und gesellschaftlicher Vermittlung (Schur et al., 2026, S. 26; Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE, 2025, S. 12-14). An dieser Schnittstelle zwischen Technologieentwicklung und Fachkräftequalifizierung setzt die Lernallianz »H2HUB in Sachsen-Anhalt« an. Sie bündelt wissenschaftliche, didaktische und anwendungsbezogene Kompetenzen in einer Lernallianz und entwickelt daraus Lern- und Transferangebote für unterschiedliche Zielgruppen: von akademischen Lehrformaten und berufsbegleitender Weiterbildung bis hin zu schulischen, öffentlichen, digitalen und immersiven Vermittlungsformaten. Damit unterstützt das H2HUB den Kompetenzaufbau als Bestandteil des regionalen Strukturwandels in Sachsen-Anhalt.

Warum Sachsen-Anhalt eine Schlüsselrolle spielt

Besonders deutlich wird die Notwendigkeit bedarfsgerechter Qualifizierung in Regionen, in denen Wasserstoff als Energieträger und Chemiebaustein bereits Teil konkreter Industrie- und Infrastrukturplanungen ist. Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland gehören dazu: Die Region verfügt über eine etablierte chemische und energieintensive Industrie, Raffinerien, bestehende Energieinfrastruktur, Forschungs- und Demonstrationsprojekte sowie Anschluss an das Wasserstoffkernnetz (Stiftung Arbeit und Umwelt, 2025, S. 9-12; Stiftung Arbeit und Umwelt, 2026, S. 18–21). Gerade weil hier konkrete Anwendungen bereits bestehen bzw. neu entstehen, ist der Ausbau passender Qualifizierungsangebote zum Kompetenzaufbau besonders wichtig.

Das Gutachten zur strategischen Umsetzung der Landeswasserstoffstrategie konkretisiert diese Rolle: Sachsen-Anhalt verbindet industrielle Nachfrage, bestehende Wasserstoffinfrastrukturen, erneuerbare Erzeugungspotenziale und wissenschaftlich-technologische Kompetenzen. Damit kann der Wasserstoffhochlauf hier besonders konkret werden – vorausgesetzt, technologische Entwicklung, Infrastrukturaufbau und Qualifizierung greifen frühzeitig ineinander (r2b energy consulting, 2023, S. 10–15).

Warum Wasserstoff neue Kompetenzprofile braucht

Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist deshalb nicht nur eine technologische und infrastrukturelle Aufgabe, sondern auch eine Bildungs- und Qualifizierungsaufgabe. Aktuelle Studien zeigen, dass der Wasserstoffhochlauf bestehende Fachkräfteengpässe verschärft und zugleich neue Kompetenzprofile erfordert – von technischen Spezialqualifikationen über Planung, Betrieb, Sicherheit und Genehmigung bis hin zu Regulierung, Kommunikation und Wissenstransfer. (Risius et al., 2025, S. 11 ff; Kutz et al., 2025, S. 20–37).

Die Bedarfe entstehen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: in technischen Rollen ebenso wie in Produktionsplanung, Unternehmensorganisation, Projektkoordination, Genehmigungspraxis, Sicherheitsbewertung, Kommunikation und Wissenstransfer. Qualifizierung muss Wasserstoff Know-how daher praxisnah, modular und zielgruppengerecht vermitteln – für Unternehmen, Hochschulen, Verwaltungen und weitere Akteure der regionalen Transformation (Kutz et al., 2025, S. 34 ff). Die regionale Perspektive bestätigt dieses Bild. Die Stiftung Arbeit und Umwelt zeigt für Ostdeutschland und Mitteldeutschland, dass Wasserstoffstrategien, Netzwerke und Projektansätze nur dann in Umsetzung kommen, wenn Qualifizierung, Beschäftigungssicherung, Mitbestimmung und regionale Wertschöpfung frühzeitig zusammengedacht werden. (Stiftung Arbeit und Umwelt, 2025, S. 5–6, 21 ff; Stiftung Arbeit und Umwelt, 2026, S. 6 ff).

Hier setzt das H2HUB an: Es ermöglicht den Aufbau von Wasserstoffkompetenzen schneller dort, wo sie gebraucht werden – in Hochschulen, Unternehmen, Verwaltungen und in der Öffentlichkeit.

Vernetzungstreffen organisiert durch das H₂HUB © Michael Palatini 

Wie das H2HUB Wissen und Know-how in die Anwendung bringt

Das H2HUB in Sachsen-Anhalt schließt als Lernallianz eine Lücke zwischen Forschung, Praxis, Bildung und Öffentlichkeit. Wasserstoff Know-how entsteht in Laboren, Testfeldern, Industrieprojekten und wissenschaftlichen Netzwerken, erreicht aber nicht automatisch diejenigen, die sie für konkrete Entscheidungen, berufliche Entwicklung oder gesellschaftliche Teilhabe benötigen. Das H2HUB übersetzt dieses Wissen und Know-how deshalb in unterschiedliche Lern- und Transferformate: berufsbegleitende Weiterbildungen, Studienmodule, Schul- und Nachwuchsangebote, Bürgerdialoge, Demonstratoren sowie digitale und immersive Lernumgebungen.

Zwei bereits entwickelte Angebote zeigen exemplarisch, wie das H2HUB Wasserstoff Know-how in unterschiedliche Lernkontexte integriert. Das hochschulübergreifende Mastermodul »Wasserstoff als Energieträger der Zukunft« richtet sich an Masterstudierende und vermittelt wissenschaftlich fundierte sowie anwendungsbezogene Perspektiven entlang der Wasserstoffwertschöpfungskette. In der zweiten Förderphase wird das Modul zur Flexibilisierung in Microcredentials aufgeteilt: Die Inhalte können somit künftig als einzelne Qualifizierungsbausteine genutzt und von Masterstudierenden angewählt werden.

Web Based Training zum Hydrogen Lab Bremerhaven © Fraunhofer IWES

Ein zweites Beispiel ist das Web Based Training (WBT) zum Hydrogen Lab Bremerhaven, das die reale Forschungs- und Testinfrastruktur digital als immersive 360°-Lernumgebung zugänglich macht. Für die breite Öffentlichkeit steht eine allgemein verständliche Version zur Verfügung. Ergänzend gibt es vertiefende fachliche Varianten für spezifische Lernkontexte, die sich orts- und zeitunabhängig in bestehende Wissenstransfer-Angebote integrieren lassen.

Wasserstofftechnologien erleben mit Serious Games © Michael Palatini 

Mitmachen: aktuelle Angebote und Termine

Darüber hinaus ist das H₂HUB 2026 auf weiteren Veranstaltungen präsent, darunter auf dem 1. Ostdeutschen Wasserstoffkongress (26. August 2026), der Explore Science (24.-26. September 2026) und dem Silbersalzfestival (31. Oktober – 01. November 2026).

Die Mitglieder der Lernallianz H2HUB in Sachsen-Anhalt sind das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES, das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS, die Hochschule Anhalt, die Hochschule Merseburg und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. 

Ein Beitrag zur Zukunft der Region 

Der Wasserstoffhochlauf braucht neben Infrastruktur vor allem Menschen, die Technologien verstehen, anwenden und weiterentwickeln. Genau hier setzt das H2HUB in Sachsen-Anhalt an: Es bündelt Kompetenzen, verbindet Zielgruppen und übersetzt wissenschaftliches und praktisches Wasserstoff Know-how in praxisnahe, digitale und dialogische Bildungsformate. So unterstützt die Lernallianz eine zentrale Voraussetzung der Transformation in Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland.

Das Projektteam des H2HUB © Hochschule Merseburg 

Quellen 

Schur, A. C., Mönnig, A., Ronsiek, L., Schneemann, C., Zenk, J., & Schroer, J. P. (2026). Arbeitskräftebedarf und Arbeitskräfteangebot entlang der Wertschöpfungskette „Wasserstoff“ – Szenario-v3.0: Abschlussbericht der zweiten Projektphase (Version 1.0). Bundesinstitut für Berufsbildung. https://res.bibb.de/vet-repository_784356

r2b energy consulting GmbH. (2023). Gutachten: Strategische Umsetzung der Landeswasserstoffstrategie des Landes Sachsen-Anhalt. Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt. https://lena.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MWU/Energie/Erneuerbare_Energien/
Wasserstoff/Endbericht_Gutachten_Landeswasserstoffstrategie.pdf

Risius, P., Tiedemann, J., Küper, M., & Flake, R. (2025). Fachkräftemangel: Nadelöhr für den Wasserstoffhochlauf? Fachkräftesituation entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette (IW-Report Nr. 8). Institut der deutschen Wirtschaft. https://www.iwkoeln.de/studien/paula-risius-jurek-tiedemann-malte-kueper-regina-flake-nadeloehr-fuer-den-wasserstoffhochlauf.html

Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE. (2025). Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Ostdeutschland braucht Fachkräfte. https://www.arbeit-umwelt.de/wp-content/uploads/2025/10/251002_AuU_Studie_Wasserstoff_screen_nichtbf.pdf

Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE. (2026). Wasserstoffhochlauf regional gestalten: Handbuch für Industrie, gute Arbeit und Strukturpolitik. https://www.arbeit-umwelt.de/publikation/handbuch-wasserstoff/

Kutz, J., Zimmermann, F., Melcher, P., Sellner, F., & Stöhr, T. (2025). Wasserstoff als nachhaltiger Energieträger: Qualifikations- und Kompetenzanforderungen einer entstehenden Wasserstoffwirtschaft. Fraunhofer IAO. https://doi.org/10.24406/publica-4763


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