Hier finden Sie Fallbeispiele aus den Organisationen, die als Unternehmenslabore am Projekt KI-ULTRA teilgenommen haben.
29 Unternehmen wurden im Rahmen der Feldforschungsphase von KI-ULTRA bei einem KI-Einführungs-projekt begleitet. Dabei wurden über einen Zeitraum von 6 bis 18 Monaten immer wieder Gespräche geführt, unterschiedliche Stakeholder befragt, gemeinsame Workshops zu wichtigen KI-Themen durchgeführt und so eine tiefgehende ethnographische Begleitung des Einführungsprojekts erreicht. Im Rahmen dieser Feld-forschung entstanden Fallstudien aus den einzelnen Unternehmen, die als wertvolle „Best-Practice“ ebenso wie als „Lessons Learned“ für andere Unternehmen dienen können. Stöbern Sie durch die einzelnen Berichte und lassen Sie sich inspirieren!




KI-basierte E-Mail-Klassifikation für die Kundenbetreuung
BAUR Versand (GmbH & Co KG)
Ort: Burgkunstadt
Anzahl der Mitarbeitenden: 1.200
Gründungsjahr: 1925
Branche: Online-Handel
AI-based e-mail classification for customer service
BAUR Versand (GmbH & Co KG)
Place: Burgkunstadt
Number of employees: 1,200
Founding year: 1925
Industry: Online retail
Ausgangssituation
BAUR Versand (GmbH & Co KG) ist Teil der Otto Group und im Online-Handel tätig. Das Unternehmen ist vor allem in den Sortimenten Mode, Schuhe und Möbel breit aufgestellt. Ein exzellenter Kundenservice ist für BAUR ein wichtiges Standbein des Erfolges. Mitarbeitende im Call-Center kümmern sich um die zahlreichen Kundenanfragen. Dabei kommt es häufig vor, dass Anfragen von einem*r Agent*in des Call-Centers gelesen und dann an eine*n andere*n Agent*in weitergeleitet werden – je nachdem welche*r Mitarbeitende für den jeweiligen Bereich zuständig ist. Das ist für den Kundenservice eine Doppelbearbeitung und oftmals ineffizient. Es entstehen dadurch Mehraufwände, die durch eine automatisierte und bessere Kategorisierung der eingehenden Anfragen reduziert werden könnten.
Lösungsansatz
Es soll eine KI-Anwendung entwickelt werden, die selbstständig und automatisiert E-Mail-Anfragen von Kund*innen vorsortiert und an die für das Thema qualifiziertesten Mitarbeitenden zuweist. Dabei wird ein Klassifizierungsansatz entwickelt, bei dem im Idealfall Anfragen weniger oft zwischen den Call-Center-Agent*innen weitergeleitet werden müssen und somit schneller bearbeitet werden können. BAUR erhofft sich dadurch eine Steigerung der Effizienz und damit einhergehend eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit. Auch die Kund*innenzufriedenheit soll durch eine schnellere und kompetente Antwort gesteigert werden.
Beteiligte Interessengruppen
An der Entwicklung der Anwendung sind alle relevanten Stakeholder beteiligt:
Über das Entwicklungsteam wird der Kontakt zur externen Dienstleisterfirma hergestellt, die bei der Produktivsetzung der KI-Anwendung unterstützt.
Technologie
Zur Entwicklung eines KI-Modells, das eingehende E-Mail-Anfragen unserer Kund*innen kategorisiert, mussten die Trainingsdaten zunächst in eine interne Datenbank eingespielt werden. Im Anschluss konnte das Modelltraining auf einem Server in den eigenen Räumlichkeiten und in der Programmiersprache Python durchgeführt sowie evaluiert werden. Das vorliegende Modell kann später über eine Cloud-Schnittstelle von der Anwendung des externen Dienstleisters, mit dem unser Call-Center-Team arbeitet, angefragt werden (Input: Kunden-E-Mail, Output: Kategorie).
Herausforderungen
Nachdem die Entwicklung der Anwendung fortgeschritten war, bot der externe Dienstleister – der die Trainingsdaten zur Verfügung stellt – an, die Funktion selbst als Produkt umzusetzen. Nun stellte sich die Frage, ob die eigene KI-Anwendung fertig entwickelt werden, oder die Lösung vom Dienstleister eingekauft werden sollte.
Ergebnis
Es wurde von den beteiligten Stakeholdern gemeinschaftlich ein Vorgehen beschlossen, wie die Entscheidung „make or buy” getroffen werden sollte. Entscheidungskriterien sind dabei u.a. die Leistungsfähigkeit der beiden Anwendungen, die gegeneinander getestet werden, aber auch Rahmenbedingungen wie die Abgabe von Verantwortung an ein anderes Unternehmen. Die Entscheidung fiel zu Gunsten der selbst entwickelten Lösung aus, mit deren Leistung die internen Auftraggeber*innen zufrieden waren. Zum aktuellen Zeitpunkt befindet sich die KI-Anwendung in der Implementierung, d.h. eine Anbindung für den produktiven Betrieb wird aufgebaut.
Learnings
Die am Einführungsprojekt beteiligten Personen treffen Entscheidungen gemeinsam und tauschen sich regelmäßig zu Projektfortschritten aus. Dies geschieht auf der Grundlage einer Vertrauens- und Kooperationskultur. So kann das Team sein Vorgehen effizient an neue Begebenheiten wie dem Angebot des Dienstleisters anpassen.
Initial situation
BAUR Versand (GmbH & Co KG) is part of the Otto Group and operates in online retail. The company is broadly positioned, particularly in the fashion, shoes and furniture product ranges. Excellent customer service is an important pillar of BAUR’s success. Employees in the call center take care of the numerous customer inquiries. It often happens that inquiries are read by one agent in the call center and then forwarded to another agent – depending on which employee is responsible for the respective area. This results in duplicate processing for customer service and is often inefficient. This results in additional work, which could be reduced through automated and better categorization of incoming requests.
Solution approach
An AI application is to be developed that independently and automatically pre-sorts email inquiries from customers and assigns them to the most qualified employees for the topic. A classification approach is being developed in which, ideally, inquiries need to be forwarded less often between call center agents and can therefore be processed more quickly. BAUR hopes that this will increase efficiency and thus improve profitability. Customer satisfaction should also increase thanks to a faster and more competent response.
Stakeholders involved
All relevant stakeholders are involved in the development of the application:
The development team establishes contact with the external service provider company, which provides support during the productive implementation of the AI application.
Technology
To develop an AI model that categorizes incoming email inquiries from our customers, the training data first had to be imported into an internal database. The model training was then carried out and evaluated on a server on our own premises using the Python programming language. The existing model can later be requested via a cloud interface by the application of the external service provider with which our call center team works (input: customer email, output: category).
Challenges
Once the development of the application had progressed, the external service provider – which provides the training data – offered to implement the function as a product itself. The question now arose as to whether the in-house AI application should be fully developed or whether the solution should be purchased from the service provider.
Result
The stakeholders involved jointly decided on a procedure for making the “make or buy” decision. Decision criteria included the performance of the two applications, which were tested against each other, as well as framework conditions such as the transfer of responsibility to another company. The decision was made in favor of the self-developed solution, with whose performance the internal clients were satisfied. The AI application is currently being implemented, i.e. a connection for productive operation is being established.
Learnings
The people involved in the implementation project make decisions together and regularly discuss the progress of the project. This takes place on the basis of a culture of trust and cooperation. This enables the team to adapt its approach efficiently to new circumstances such as the service provider’s offer.